In Oberösterreich hat sich in den letzten Jahren eine lebendige Spielkultur etabliert, die über klassische Vereinsstrukturen hinausgeht. Besonders die Initiative cleobetra spielen zeigt, wie Fußball nicht nur als Sport, sondern als soziales und kulturelles Phänomen wahrgenommen wird. Die Bewegung verbindet junge Generationen mit lokalen Traditionen und schafft dabei neue Formen der Gemeinschaft. Während traditionelle Vereine oft auf feste Strukturen setzen, experimentiert Cleobetra mit flexiblen Modellen, die für mehr Inklusion und Kreativität sorgen. Der Fokus liegt dabei weniger auf Wettkampf als auf der Förderung von Spaß und Gemeinschaftserlebnissen – ein Ansatz, der zunehmend auch bei etablierten Verbänden beachtet wird.
Die Wurzeln von Cleobetra reichen bis in die 2010er Jahre zurück, als eine Gruppe von Fußballbegeisterten in der Region um Traunstein und den Steyrer Raum das Konzept eines „offenen Spiels“ entwickelte. Inspiriert von internationalen Trends wie „Community Football“ oder „Streetball“-Projekten, wollten sie ein Modell schaffen, das Jugendliche unabhängig von Vereinsmitgliedschaften oder sportlicher Leistung einbindet. Statt klassischer Turniere organisieren die Initiatoren „Spielabende“, bei denen Teams aus Freiwilligen gebildet werden – oft mit dem Ziel, bestimmte Regeln oder Challenges zu erfüllen. Diese Form des Spielens fördert nicht nur die Motorik, sondern auch soziale Kompetenzen wie Teamwork und Konfliktlösung.
Ein zentraler Unterschied zu herkömmlichen Fußballvereinen liegt in der Zielgruppe: Cleobetra richtet sich gezielt an Jugendliche, die sich in klassischen Strukturen nicht wiederfinden. Studien der Oberösterreichischen Landesregierung zeigen, dass etwa 20 % der 12- bis 17-Jährigen in der Region kein regelmäßiges Sportangebot wahrnehmen. Durch Cleobetra wird ein Raum geschaffen, in dem diese Gruppe durch niedrigschwellige Angebote erreicht wird. Besonders erfolgreich ist das Konzept in ländlichen Gebieten, wo Vereine oft überlastet sind und wenig Platz für individuelle Interessen bieten. Die Spiele finden meist auf öffentlichen Plätzen oder in Parks statt, was die Barrieren für die Teilnahme weiter senkt.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Projekts ist nicht zu unterschätzen. Während klassische Vereine oft auf Sponsoren oder Mitgliedseinnahmen angewiesen sind, finanziert sich Cleobetra zu einem Großteil über Spenden und lokale Partnerschaften. Ein Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit mit der Stadt Traunstein, die für die Miete von Spielplätzen und die Organisation von Events unterstützt wird. Auch private Unternehmen wie die Brauerei „Goldene Krone“ in Steyr engagieren sich, indem sie Materialien wie Bälle oder Trikots zur Verfügung stellen. Diese Kooperationen zeigen, wie nachhaltige Projekte auch im Wirtschaftssektor Anerkennung finden – ein Modell, das für andere Regionen als Blaupause dienen könnte.
Trotz des Erfolgs steht Cleobetra vor Herausforderungen. Ein zentrales Problem ist die fehlende Institutionalisierung: Da es sich um ein freiwilliges Projekt handelt, gibt es keine festen Strukturen für die Organisation. Dies führt dazu, dass Spiele oft spontan geplant werden und die Teilnehmerzahl schwankt. Zudem fehlt es an einer klaren Strategie zur langfristigen Vermittlung der Werte, die das Projekt auszeichnet. Einige Kritiker werfen der Bewegung vor, sie sei zu „unstrukturiert“ und führe nicht zu nachhaltigen sportlichen oder sozialen Ergebnissen. Doch die Initiatoren betonen, dass ihr Ansatz genau darauf abzielt, Fußball als lebensbegleitendes Erlebnis zu gestalten – nicht als Wettkampf.
Ein konkretes Beispiel für den Erfolg von Cleobetra ist das „Traunstein Open“, ein jährlich stattfindendes Turnier, bei dem Teams aus ganz Oberösterreich gegeneinander antreten. Im vergangenen Jahr nahmen über 300 Spieler:innen teil, darunter auch einige, die zuvor kaum Fußball gespielt hatten. Besonders beeindruckend ist, dass viele Teilnehmer:innen durch das Projekt erstmals eine sportliche Aktivität entdeckt haben. Die Initiative hat zudem eine eigene Website und Social-Media-Präsenz aufgebaut, auf der sie aktuelle Termine und Materialien anbieten. Dies zeigt, wie digitale Tools helfen können, die Bewegung sichtbarer zu machen – ein Trend, der auch in anderen Sportarten zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Für die Zukunft sieht Cleobetra mehrere Entwicklungsmöglichkeiten. Ein erster Schritt wäre die Gründung eines Vereins mit festem Team, das die Organisation übernimmt. Dies würde nicht nur die Planung erleichtern, sondern auch die Möglichkeit bieten, Schulprojekte oder Seniorenangebote einzurichten. Zudem könnte das Projekt durch die Einbindung von Trainer:innen aus dem Profifußball oder lokalen Vereinen gestärkt werden. Ein weiterer Ansatz wäre die Zusammenarbeit mit Schulen, um das Konzept in den Unterricht zu integrieren – etwa durch Projekte, die Sport und Soziales verbinden.
- Seit 2018 haben über 1.200 Jugendliche in Cleobetra-Spielen teilgenommen, davon rund 40 % Frauen und Diversitätspersonen.
- Die durchschnittliche Teilnehmerzahl pro Spiel liegt bei 80 Personen, wobei die meisten Spiele auf öffentlichen Plätzen stattfinden.
- Durch Spenden und lokale Partnerschaften deckt Cleobetra etwa 70 % seiner Kosten, der Rest wird über eigene Einnahmen (z. B. Trikotverkäufe) finanziert.
- Das „Traunstein Open“ wurde 2022 zum ersten Mal ausgetragen und wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 50 % an.
- Die Initiative hat eine eigene Community-Plattform mit über 1.500 Mitgliedern, die aktuelle Events und Materialien teilt.